Die Ehrenamtspauschale

Engagiert Steuern sparen

Die Ehrenamtspauschale ist ein Steuerfreibetrag für Tätigkeiten mit einem mildtätigen, gemeinnützigen oder kirchlichen Zweck. Das Finanzministerium hat dieses schlaues Sparmodell entwickelt. Es sorgt für Steuergerechtigkeit im Ehrenamt.

Bei der Ehrenamtspauschale handelt es sich wie bei der sog. Übungsleiterpauschale um einen pauschalen Steuerfreibetrag. Der Freibetrag beträgt 720 Euro pro Jahr für Tätigkeiten mit einem mildtätigen, gemeinnützigen und kirchlichen Zweck (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG).

Was sind die Voraussetzungen für die Ehrenamtspauschale?

  1. Zuerst einmal muss der mildtätige, gemeinnützige oder kirchliche Zweck der Tätigkeit gegeben sein. Dieser Zweck wird in der Satzung eines Vereins festgeschrieben, z.B. in der Gründungsversammlung. Werden jedoch wirtschaftliche Zwecke verfolgt, ist ein Verein nicht mehr gemeinnützig. In diesem Fall kann die Ehrenamtspauschale jedoch nicht mehr in Anspruch genommen werden. Das gilt z.B. beim Verkauf von Tickets im Stadion des Vereins.
  2. Zudem müssen die Tätigkeiten nebenberuflich ausgeübt werden. Nur auf diese Weise kann man die Pauschale erhalten. Der Nebenberuf muss dabei weniger als ein Drittel eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs einnehmen. In unserem obigen Beispiel arbeitet Leon fünf Tage in der Woche als Banker und zwei Tage als Platzwart und liegt deswegen im Rahmen. Auch Personen, die im steuerrechtlichen Sinne keinen Hauptberuf haben, können im Nebenberuf tätig sein. Das gilt z.B. für Studenten, Vermieter, Hausfrauen, Arbeitslose oder Rentner.
  3. Egal wie viele Tätigkeiten für Vereine ausgeübt werden, die Bezahlung dieser Tätigkeiten sind bis 720 Euro pro Jahr sozialabgaben- und steuerfrei. Alle Beträge darüber hinaus fallen aber unter die Steuer.

Beispieltätigkeiten für die Ehrenamtspauschale

Hier nennen wir Ihnen einige Beispiele für Tätigkeiten, für die Sie die Pauschale nutzen können:

  • Platzwart
  • Vereinsvorstand
  • Schatzmeister
  • Schiedsrichter im Amateurbereich
  • Fahrer
  • Ordnungskraft
  • Reinigungsdienstleister
  • (Assistenz-)Betreuer

Die Pauschale hat auch Leon Huber sehr genutzt. Leon Huber ist ein sehr engagierter und sehr kontaktfreudiger Mensch. Unter der Woche arbeitet er als Bankkaufmann und empfängt Kunden am Filialschalter. Samstags und sonntags ist er dagegen ehrenamtlicher Platzwart des Fußballvereins Fußballfreunde e.V. Zudem ist er Hilfstrainer. Nach seinem erholsamen Rundgang über die Fußballplätze schaut er sich gern die Ranglistenspiele des Vereins an. Dabei kommt Leon oft ins Gespräch. Leon liebt seinen Verein. Er genießt den Respekt aller Vereinsmitglieder. Vor Kurzem erfuhr Leon von seiner Steuerberaterin, dass er durch seine nebenberufliche Vereins-Mitarbeit mit der Ehrenamtspauschale sogar Steuern sparen kann. Er sprang vor Freude regelrecht in die Luft!
 
 

Welche Tätigkeiten werden nicht begünstigt?

Gemäß eines Schreibens des BMF (1) ist weder die „Tätigkeit der Amateursportler“ noch „Tätigkeiten in einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und bei der Verwaltung des Vermögens“ begünstigt. Tätigkeiten, für die Sie die Ehrenamtspauschale nicht nutzen können, sind vor allem die, welche zum wirtschaftlichen Nutzen gereichen, z.B.
 

  • der Verkauf von Lebensmitteln während dem Vereinsfest
  • das Kassieren von Eintrittsgeldern für Veranstaltungen des Vereins
  • das Anwerben von Werbesponsoren

Wohin gehört die Ehrenamtspauschale in meiner Steuererklärung?

Die Ehrenamtspauschale tragen Sie in der Steuerklärung bei den Einnahmen ein.
 
Für Selbständige und Arbeitnehmer gelten dabei verschiedene Anlagen:
 

Selbständige

Anlage S (Einkünfte aus selbst. Arbeit)

Von der Steuer befreite Aufwandsentschädigungen oder Einnahmen aus selbständiger Arbeit gehören in die Zeilen 9 (sonstige selbst. Arbeit) und zudem 36 (Einnahmen aus nebenber. Tätigkeit).

Arbeitnehmer

Anlage N (Einkünfte aus nichtselbst. Arbeit)

Steuerbefreite Einnahmen oder Aufwandsentschädigungen aus nichtselbständiger Arbeit gehören bis 720 Euro in die Zeile 26 (sonstige selbst. Arbeit). Alles darüber hinaus gehört dagegen in die Zeile 20 (Steuerpflichtiger Arbeitslohn, von dem kein Steuerabzug vorgenommen worden ist).

Kombination mit der Übungsleiterpauschale?

Ja, die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiterpauschale lassen sich kombinieren. Jedoch nur, wenn Sie zwei verschiedene Ämter übernehmen. Es kann z.B. sein, dass Sie gleichzeitig als Jugendtrainer und Vorstand des Schachvereins arbeiten. In diesem Fall werden Ihnen beide Freibeträge nebeneinander gewährt. Sie können in diesem Fall mit beiden Pauschalen also insgesamt 3.120 Euro Freibetrag nutzen. Das gilt auch, wenn Sie diese Tätigkeiten im selben Verein wahrnehmen.

Die beiden Pauschalen können aber nicht für dieselbe Tätigkeit in Anspruch genommen werden. Engagieren Sie sich z.B. als Jugendbetreuer in einem Sportverein, dürfen Sie nicht gleichzeitig die 2.400 Euro Übungsleiterfreibetrag und die 720 Euro Ehrenamtspauschale nutzen.

Aufwandsspende

Manche haben viele Aufwendungen im Verein, wie Porto oder Fahrtkosten. Es ist jedoch möglich, sich Ausgaben, die man im Ehrenamt hat, vom Finanzamt zurück zu holen. Dafür muss man erstmal eine schriftliche Verzichtserklärung an den Verein senden. Der Verein stellt eine Spendenbescheinigung aus, denn es handelt sich um eine Aufwandsspende. Diese kann man in der Steuererklärung als Sonderausgabe angeben. Das ist jedoch nur erlaubt, wenn der Verein auch eine Erstattung der Ausgaben angeboten hat. Der Verzicht darf nicht extra nachträglich ausgestellt worden sein. Er muss dokumentiert sein. 

Nebenberuf

Wenn eine Tätigkeit „nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs in Anspruch nimmt“, wird sie gemäß BMF nebenberuflich ausgeübt1. Ob eine Nebenberuflichkeit vorliegt, müsse man für alle Tätigkeiten getrennt beobachten. Wenn eine Person keinen Hauptberuf ausübe, also z.B. Hausfrauen oder -männer oder Studenten, könnten diese auch „nebenberuflich“ tätig sein.

Aufteilung zwischen mehreren Tätigkeiten?

Da der Freibetrag nach § 3 Nr. 26a EStG ein Jahresbeitrag sei, könne dieser auch dann nur einmal gewährt werden, wenn mehrere Tätigkeiten ausgeübt werden, die begünstigt seien. Wenn jemand für mehrere Vereine arbeitet, z.B. als Schatzmeister, kann er diese Tätigkeiten generell als eine betrachten. Als eine Tätigkeit gelten sie jedoch nur, wenn sie nicht mehr als ein Drittel der Zeit eines hauptberuflich Arbeitenden mit einer ähnlichen Tätigkeit ausmachen. 

Übertragung auf Ehegatten

Freibeträge dürfen nicht auf Ehegatten übertragen werden, auch nicht, wenn dieser nicht voll ausgeschöpfter ist1. Die Befreiung von Steuern sei „personenbezogen vorzunehmen“1.

Vorstandstätigkeit

Der Vorstand wird für seine Tätigkeit keine Ehrenamtspauschale nicht bezahlt. „Tatsächliche Aufwendungen“ wie Telefonkosten oder Fahrtkosten sind vom Ersatz jedoch nicht ausgeschlossen. Dabei muss der Vorstand jedoch nicht jede einzelne Tätigkeit nachweisen, wenn diese die Pauschale nicht übersteigen.1

1: BMF v. 25.11.2008 – IV C 4 -S 2121/07/0010 BStBl 2008 I S. 985